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Freud, Sig(is)mund (Schlomo) 

Geb. 6.5.1856 Freiberg (Mähren, heute Přibor, CSR), gest. 23.9.1939 London (Freitod).

 

F. wuchs in den ersten Jahren zweisprachig (tschechisch-deutsch auf). In seiner Autobiographie (1925, WW 14)[1] schreibt er: »Meine Eltern waren Juden, auch ich bin Jude geblieben«.[2] Zwar hatte F. keine religiösen Bindungen, aber er war und blieb aktives Mitglied der jüdischen Loge Bnai Brith.[3] Antisemitische Erfahrungen machte er zeitlebens, wobei er sich gegen antisemitische Pöbeleien auch resolut zur Wehr zu setzen wußte. Er erfuhr sie als Bestandteil der Gesellschaft, und so weigerte er sich auch nach dem Aufkommen des Nationalsozialismus (und der Verbrennung seiner Bücher 1933) auszuwandern – erst als sich der österreichische Staat aus seiner Sicht 1938 aufgegeben hatte, und vor allem nachdem seine Tochter Opfer repressiver Polizeimaßnahmen geworden war, reiste er mit Unterstützung englischer Freunde und Kollegen im Juni 1938 nach England aus.
F. studierte in Wien Medizin, mit Schwerpunkt in der Pathologie / Neurologie. Seine strikt naturwissenschaftliche Ausrichtung schlug sich zunächst in zoologischen Laborarbeiten nieder: er publizierte schon vor der Promotion über Laborbefunde zu den Geschlechtsorganen bei Aalen.[4] Auch seine ersten therapeutisch ausgerichteten Arbeiten waren einem naturwissenschaftlichen Medizinverständnis geschuldet, bis hin zu seiner Propagierung des Kokains als umfassendes Heilmittel (1884), was ihm eine heftige Kritik als Lobredner von Rauschmitteln eingebracht hat (er selbst hat es auch ausgiebig benutzt). Auch in seiner späteren ärztlich-therapeutischen Praxis agierte er zunächst in einem eher mechanistischen Medizinverständnis, mit Mitteln der »Elektrotherapie« und seit 1887 bei neurotischen Patienten mit Hypnose. 1881 Promotion, 1885 Habilitation ohne Aussicht auf eine universitäre Karriere, wofür neben antisemitischen Vorbehalten wohl die im Fach breite Ablehnung seiner späteren psychoanalytischen Orientierung entscheidend gewesen sein wird. F arbeitete als Arzt in Wiener Krankenhäusern, seit 1886 mit einer Privatpraxis. Seine fremdsprachlichen Interessen führten dazu, daß er mehrfach Schriften aus dem Englischen und Französischen übersetzte (auch außerhalb der Medizin, etwa von J. St. Mill). Den Ersten Weltkrieg begrüßte er aus einer nationalen Einstellung heraus (nach dem für ihn schwachen Bild der österreichischen Armee projiziert auf Deutschland), die sich auch noch später in seinen Schriften und vor allem Briefen äußert.

Seine wissenschaftliche Neuorientierung begann 1885 mit einem Studienaufenthalt in Paris, wo er bei einem der damals führenden Neurologen, Charcot, begann, sich systematischer mit Hysterien zu beschäftigen. Den Versuch, die hysterischen Störungen bei seinen Patienten (vor allem auch Patientinnen) zu verstehen, verlängerte er in eine Selbstanalyse, da er bei sich selbst reichlich neurotische Störungen diagnostizierte. Das führte in den 1890er Jahren zu einer radikalen Verschiebung seiner Konzeptualisierung der Störungen, in denen er Muster von Wiederholungszwängen entdeckte, die er auf unbefriedigte frühe Wünsche zurückführte. So beschränkte er sich nicht mehr darauf, Störungssyndrome zu beschreiben (wie es in der ärztlichen Praxis damals durchaus schon üblich war, die in diesen Syndromen eine gewisse Systematik suchte), sondern er faßte sie als Ausdruck einer Dynamik, die von den bewußten psychischen Mechanismen nicht zu kontrollieren war.

In der von ihm so entdeckten Spannung zwischen bewußter Kontrolle und unbewußt gesteuerten Prozessen sah er den Schlüssel zu ihrer Behandlung, was den Bruch mit einem rein somatisch verstandenen Krankheitsbild implizierte und Ausgangspunkt für seinen Ansatz zu einer „talking cure“ war, wie er die Psychoanalyse mit dem von einer Patientin genutzten Terminus gerne bezeichnete.[5] Die hier geforderte Art der Spracharbeit nötigte ihm eine methodische Reflexion auf Sprache ab, die sich in der von ihm denn auch immer wieder herausgestellten Homologie der „talking cure“  mit „primitiven“ Formen der Sprachmagie darstellte.[6] Einigermaßen systematisch verfolgte er in unterschiedlichen Feldern symbolische (sprachliche) Formen psychischer Aktivitäten: im Traum, wo ihm die »Traumdeutung« (1900, WW 2/3) einen Durchbruch in der einschlägig interessierten Fachwelt brachte, dann aber auch in Fehlleistung im wachen Zustand (Zur Psychopathologie des Alltagslebens (1901, WW 4), oder auch in der Ambivalenz »trivialer« Alltagsaktivitäten wie dem Witzeerzählen bzw. dem Lachen darüber (Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten, 1905, WW 6). Auf einer deskriptiven Ebene waren solche Erscheinungen damals durchaus auch in der Sprachwissenschaft Gegenstand der Forschung, aber F. stellte sie jetzt in ein völlig anderes Koordinatensystem.[7] Damit eröffnete er neue Horizonte für eine ganze Generation von Sprachforschern, die sich so dem Akademismus junggrammatischer Gegenstandsreduktion zu entziehen suchte, wodurch er zur Autorität im Bezugssystem bei vielen von denen wurde, die hier als »Neuerer« angesprochen werden, s. hier bei Sperber (der es damit zur Galionsfigur in der psychoanalytischen Saga gebracht hat, s. bei diesem), vgl. auch bei W. Krauss, Penzl, Sapir, Spitzer, M. Weinreich; bei den therapeutisch Tätigen im Katalog ist sein Einfluß ohnehin gesetzt, s. bei Kris, Spitz, Storfer und in weiterem Sinne auch bei Fröschels und Goldstein.

F.s Reflexion war auf die Etablierung einer verbindlichen professionellen therapeutischen Praxis ausgerichtet, die »analytische Kur«, wie er es nannte, mit der Versprachlichung der verdrängten traumatischen Erfahrungen als ihrem Kern, der die Wiederholungszwänge durchbrechen sollte. Damit (mit der »sprechenden Kur«) hatte Sprache zwar eine Schlüsselrolle in F.s Überlegungen; aber er benannte diese Zusammenhänge mehr, als daß er sie systematisch ausgearbeitet hätte. Immerhin nötigte ihn die Differenzierung psychischer Instanzen, die ätiologisch und vor allem auch in Widerständen in der Therapie greifbar wurden, zu einer konzeptuellen Modellierung, die sprachlichen Erscheinungen ihren spezifischen Ort im psychischen Prozeß zuwies. Das gilt insbesondere für „Das Unbewußte“ (1913), wo er die spannungsgeladene Spracharbeit auf dem Gegenpol zum Unbewußten entwickelt, greifbar in den vielfältigen Verzerrungen, die er als Zensurmechanismen identifiziert. Bewußte Kontrolle ist für ihn an sprachliche Artikulation gebunden, die auf die symbolischen Ressourcen zurückgreift, die mit der Sprache (also ontogenetisch gesehen: der Sprache der anderen) gelernt wird. Diese sind zwar auch nicht im Bewußtsein (verstanden als Fokus der Aufmerksamkeit) aktiv, aber sie können doch aktiviert werden: hier spricht F. vom „Vorbewußten“. Anders ist es mit dem Unbewußten, sich nur als unartikulierte psychische Kraft ausdrückt.

Sprachliche Artikulation faßte F. in den beiden Polen von „Sachvorstellung“ und „Wortvorstellung“, die damit verknüpft werden – die aber in pathologischen Konstellationen dissoziiert werden und sich verselbständigen können (s. WW 10: 300), wie er es in seinen frühen Studien zu Hysterie detailliert beschreiben hat. Der Horizont seiner Überlegungen war gewissermaßen klinisch eingeschränkt auf die Kur: so wie die in dieser (sprachlich) symbolisierten Strukturen ihr Wahrheitskriterium in der dadurch ermöglichten Heilung haben und nicht in der Repräsentation »objektiver« biographischer Sachverhalte, sind für F. grundsätzlich darüber hinausgehende Fragestellungen sekundär – man sollte bei ihm keine ausgearbeitete Sprachtheorie suchen.[8] Das zeigt sich auch in seiner oft schwankenden Begrifflichkeit. Während er einerseits symbolische Strukturen systematisch als Momente der Spracharbeit faßte, also als Ich-Leistungen im Sinne seines genetischen Modells der Persönlichkeit (s.u.), benutzte er Symbol auch als Bezeichnung für Ausdrucksformen des Unbewußten, die in diesem Sinne unbearbeitet sind, ob nun im Traum oder bei seiner Musterung ethnographischer Befunde bei „primitiven“ Gemeinschaften, nicht anders als in "volkstümlichen" Sprüchen, Liedern und Märchen in modernen Kulturen. In seinen "Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse" (1917) sprach er so von "symbolische[n] Ausdrucksweisen": "sie liegen bereit, sie sind ein- für allemal fertig" (WW 11: 168).[9]

Während er seine Überlegungen zunächst nur kasuistisch entlang von klinischen Fallbeschreibungen entwickelte, machte er sich nach 1900 daran, sie zu seinem systematischen Gebäude des psychischen Apparats auszubauen – für ihn der entscheidende Schritt zur Etablierung der Psychoanalyse als Wissenschaft (jenseits der akademischen Institutionen, wie er es emphatisch immer wieder herausgestellt hat). Aus den Faktoren im therapeutischen Prozeß zwischen Arzt und Patient wurden so Instanzen des psychischen Apparats: das Unbewußte als Es, aus dem sich in einem widersprüchlichen Prozeß das Ich ausbildet, mit den Bewußtseins-Instanzen, zu denen vor allem auch das zensierende Über-Ich gehört. Die Architektur dieses Modells war in der psychologischen Diskussion des 19. Jhdts. weitgehend ein Gemeinplatz. F.s genuiner Beitrag war die Identifizierung der »vitalen« Energie, die als Motor in der Entwicklung wirkt, mit dem, was er in unterschiedlich euphemistischer Weise Sexualität, Eros – oder auch Libido nannte. In seiner Selbstdarstellung beschreibt er das als eine Entdeckung quasi wider Willen, die ihm von seiner ärztlichen Praxis aufgenötigt wurde. Vor allem seine erste entsprechende Falldarstellung (die Patientin »Dora«, Bruchstück einer Hysterie-Analyse, 1905, WW 5) wurde zum Skandal: er analysierte dort die Hustenanfälle einer jungen Frau als Ausdruck eines bei ihr verdrängten kindlichen Wunschs nach einer Fellatio beim Vater... Diese Sexualisierung von Kindlichem wurde öffentlich als pervers stigmatisiert und die Psychoanalyse zum Anathema.

F.s Energie wurde in den Folgejahren weitgehend durch sein Bemühen absorbiert, die Psychoanalyse als Heilberuf zu etablieren, parallel und in Spannung zur universitär etablierten Medizin. Dazu gehörte für ihn vor allem auch der Ausbau einer zu den akademischen Institutionen parallelen Organisation: mit einer internationalen Gesellschaft, einem Verlag, eigenen Zeitschriften u.dgl. Dabei war das kontinuierliche Wachstum der psychoanalytischen Bewegung bestimmt durch endemische Spannungen und Spaltungen, bei denen sachliche von persönlich bestimmten Querelen nur schwer zu trennen sind, was sich auch in F.s Schriften spiegelt, s. auch bei KrisStorfer.

Dabei hat F. an seiner frühen Grundkonzeption festgehalten, die er in seinen weiteren Arbeiten differenziert ausbaute. Den konzeptuellen Rahmen lieferte ihm ein Entwicklungsdenken, für das ihm wohl schon seit seiner Schülerzeit Darwin Pate gestanden hat: höhere Funktionen werden nur durch den Ausbau des (angeborenen) Apparats möglich, der sich zunächst in »primitiven« Funktionen betätigt. Insofern ist eben auch die (rational kontrollierbare) sprachliche Aktivität nur als Ausbau vorsprachlicher psychischer Ausdrucksformen möglich. Im Rahmen einer solchen Differenzierung verloren bei F. dann auch die frühen Annahmen über kindliche Sexualität einiges von ihrem Skandalösen: die Libido wird in der kindlichen und dann auch noch erwachsenen Entwicklung überhaupt erst auf sexuelle Betätigungen im üblichen Sinne (insbesondere genitale Betätigungen...) ausgerichtet.

F. hat den Schematismus des Entwicklungsdenkens des 19. Jhd. vor allem in seinen späteren Schriften über kulturelle Formen durchgehalten, in denen der Ort für eine systematische Sprachreflexion gegeben war (Totem und Tabu, 1912-13, WW 9; Das Unbehagen in der Kultur, 1930, WW 14). Der Topos von der ontogenetischen Rekapitulation der Phylogenese wirkt unterschwellig fort, wenn er die Ausdrucksformen des Unbewußten bei Erwachsenen (wie sie z.B. in der »Traumarbeit« greifbar werden) mit frühkindlichem Denken gleichsetzt – und dieses wiederum mit Ausdrucksformen primitiver Vergemeinschaftung. Angelpunkt dieser Gleichsetzung war für F. die ambivalente Struktur der dabei greifbaren vorsprachlichen (also nicht bewußt kontrollierten) Symbolisierungen, die er z.B. im Tabu verfolgte. Dabei machte er gelegentlich auch kursorische Anleihen beim akademischen Diskurs, etwa in »Über den Gegensinn der Urworte« (1910, WW 8), bei denen er sich allerdings nicht weiter um die (sprach-) wissenschaftliche Diskussion dieser Erscheinungen scherte.[10] Die Folge davon ist, daß er undifferenziert an der Vorstellung festhielt, daß von ihm im Modus von „Urszenen“ ausgestaltete Konstellationen als genetisch weitergegebenes Erbgut auch in modernen Lebens- und Ausdruckformen als symbolische Grundfiguren weiterwirken.[11]

Wo es sich nicht um solche (von ihm selbst so genannte:) spekulative intellektuelle Ausflüge handelte, bildete seine therapeutische Praxis die Schranke für seine Überlegungen. In der Therapie geht es um die Widerholungszwänge frühkindlicher Konstellationen, die im klinischen Setting von Arzt und Patient auszuagieren waren, mit Übertragung und Widerstand als szenischen Elementen. Die bewußten Leistungen, also die entfalteten menschlichen Potentiale beim »gesunden« Erwachsenen liegen außerhalb der »analytischen Kur« – sie sind Ergebnis der Sublimierung der Libido, und damit jenseits der Reflexion auf die Pathogenese der Störungen. Wenn diese möglich wird, wird der Patient als »geheilt« entlassen.

Sprache in ihrer entfalteten, ausgebauten (schriftkulturell bestimmten) Form bildet in F.s Werk nur einen Grenzwert, der nur negativ zum Gegenstand wird, wie es besonders deutlich in einer seiner wenigen Arbeiten wird, in denen er solche Leistungen explizit zum Thema macht wie bei seiner Studie über Leonardo (Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci, 1910, WW 8), wo er dessen intellektuelle Kreativität als Resultat einer extrem weitgehenden Sublimierung darstellt, begründet in Leonardos quasi asexueller Lebensführung. Diese Engführung der (Sprach-) Reflexion war denn auch schon früh Gegenstand der Kritik, s. z.B. hier bei Stern. Obwohl F in seinen kulturtheoretischen Überlegungen argumentative Grundfiguren entwickelte, die für eine systematische Sprachreflexion nötig sind (und die von darauf zielenden Arbeiten so auch aufgenommen wurden), hat er diese Linie nicht weiter verfolgt. Die von ihm durchaus angegangene Frage des konstitutiven Ausbaus der kognitiven (und kommunikativen) Ressourcen (s.o.) nimmt er bei der Sprache nicht auf: seine analytische Grundfigur der Verinnerlichung von sozial vorgegebenen Zwänge verfolgt er nicht in Hinblick auf die Aneignung sprachlicher Strukturen als der Sprache der anderen, in der das Ich sich ausdrücken lernen muß (bzw. kann). Hier stand bei ihm die Auseinandersetzung mit der monotheistischen Religion als Zensurinstanz im Vordergrund (letztlich wohl auch durch seinen jüdischen biographischen Hintergrund bestimmt), s. etwa "Die Zukunft einer Illusion" (1927, WW 14: 323 - 380).  Entsprechend geht z.B. auch K. Bühler nicht auf F.s sprachbezogene Überlegungen ein, die für ihn auf der Ausdrucksebene hängen blieben (abgesehen von seinen grundsätzlichen Einwänden gegen die Psychoanalyse, s. bei ihm). Erst lange nach Freud ist im psychoanalytischen Diskurs Sprache als systematischer Gegenstand in den Blick gekommen, für einige Hinweise s. Maas 2016: 83-84.[12]

In seinen späteren Jahren nahm F. zunehmend auch an den politischen Auseinandersetzungen anteil. Unter dem Eindruck eines sich abzeichnenden neuen Weltkriegs nahm er im Gegensatz zu seinen frühen Jahren eine pazifistische Position ein (vor allem in Verbindung mit Romain Rolland). Dazu gehört eine gemeinsame Publikation mit A. Einstein »Warum Krieg« (1933, WW 16), in der er die Formulierung benutzt »bei uns Pazifisten« (S. 26). Seit 1923 litt er unter Krebs, der in einer langen Kette von Operationen und quälenden Behandlungen sein Leben zunehmend schwer erträglich machte. Er hatte schon nach der ersten Diagnose für seinen Freitod für den Fall vorgesorgt, daß sein Zustand unerträglich würde. Den letzten Schritt vollzog er dann im Londoner Exil 1939.

Q: Autobiographie (»Selbstdarstellung«, 1925, WW 14: 31-96); E. Jones, »The life and work of S. F.«, 3 Bde. London: Hogarth I/ 1953, II/ 1955, III/ 1957. M. Krüll, »Freud und sein Vater«, München: Beck 1979; P. Gay, »Freud«, New York 1987, dt. Frankfurt: Fischer 1989. Es gibt mehrere Gesamtausgaben von F.s psychoanalytischen Schriften, die Verweise oben (als WW) beziehen sich auf die meist zitierte »offizielle« Ausgabe seiner Werke, hgg. von seiner Tochter Anna F. u.a., London: Imago, 17 Bde. 1940-1952 (dazu Ergänzungsbände 18/1968 und 19/1987), Nachdruck Frankfurt: Fischer.>

 

 

[1] Hinweise auf F.s Schriften nach der Werkausgabe in Q.

[2] Die Familienbiographie spiegelt sich in F.s Vornamen. Der zweite Vorname Schlomo war der Name des zum Zeitpunkt seiner Geburt verstorbenen Großvaters väterlicherseits, den ihm der Vater einer jüdischen Tradition folgend gegeben hatte (Schlomo ist die Rufnamenform; förmlicher Salomon, wie der Großvater auch in den amtlichen Dokumenten benannt wird). F.s Vater registriert die Geburt und Beschneidung seines Sohnes in seinen persönlichen Aufzeichnungen mit »mein Sohn Schlomo Sigismund«, im amtlichen Geburtsregister von Freiberg (Geburtsmatrikel der »Andersgläubigen«) wird allerdings nur der »deutsche« Name Sigismund registriert, s. Krüll (Q: 132 und 258 [Reproduktion der Matrikel]).  F. selbst benutzte wohl nie seinen jüdischen Vornamen. Den anderen Vornamen verkürzte er später auf Sigmund, s. dazu Gay (Q: 12).

[3] S. dazu die Hinweise in Maas (2016: 117).

[4] Die in der Regel zitierten Gesammelte(n) Werke (Q) enthalten im Gegensatz zum Titel nur die späteren psychoanalytischen Schriften.

[5] S. seine in den USA gehaltene Vorlesungsreihe von 1909 „Über Psychoanalyse“, WW 8: 7.

[6] So öfters in seinen späteren kulturhistorisch ausgreifenden Ausblicken. Z.B. spricht er in „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“ (1938)  von der Magie als „Vorläuferin unserer Technik“, WW 16: 221.  

[7] Das gilt insbesondere für die Untersuchungen von Rudolf Meringer (1859-1931), der wiederholt, zuerst 1896 Versprecher gesammelt und analysiert hatte. F. hatte diese Sammlungen zwar ausgewertet, zunächst aber sehr abschätzig behandelt, s. seine relativierende Korrektur in WW 6: 179, Fn.1.

[8] Dieser Vorbehalt gilt insbesondere auch für ausgreifende assoziative Bemerkungen zu Sprachlichem, etwa Bemerkungen über „exotische“ Sprachen wie das Chinesische, die er gerne schon mal in seine Texte einstreute – sie spiegeln gängige Stereotypen des Feuilletons und sollten nicht als analytische Aussagen mißverstanden werden.

[9] Was sie ausmacht, ist nur eine gewisse Konstanz im Fluß des damit Gefaßten, ohne aber an eine ggf. lautliche Form gebunden zu sein. Was das anbetrifft, unterschied er zwischen der sprachlichen Form und ihrem medialen Ausdruck: die gleiche Leistung der sprachlichen Artikulation gestand er auch non-verbalen Ausdrucksformen etwa bei Taubstummen zu, so in Briefen an seinen engen Mitstreiter S. Ferenczi (1873-1933), s. Jones (Q), Bd. 2.

[10] F. nahm damit die Argumentation von Carl Abel (1832-1906) auf, der dazu vor allem auf der Basis seiner Arbeiten zum Ägyptischen (Koptischen) wiederholt publiziert hatte. Eine systematische Kritik daran, sowohl was die unzureichend begriffliche Klärung von lexikalisch festgelegtem Gegensinn vs. nur kontextuell festgelegter Bedeutung auf der Folie lexikalischer Unbestimmtheit auf der einen Seite, wortgeschichtlich idiosynkratischen Entwicklungen auf der anderen betrifft, findet sich schon bei A.F.Pott (1802-1887), s. von ihm ‚Allgemeine Sprachwissenschaft und Carl Abels ägyptische Sprachstudien‘. Leipzig: Friedrich 1886; s. auch hier bei Erman. Dieses Problem war (und ist) vor allem bei den afroasiatischen Sprachen virulent, bei denen ein relativ kleines Inventar von Wurzeln ein lexikalisches Gerüst bildet, auf dem die semantisch spezialisierten Lexeme aufgebaut sind – mit semantischen Spezialisierungen und vor allem auch den z.T. nur kontextuell definierten Ausdifferenzierungen. Geht man von den Wurzeln aus, resultieren daraus endemische Phantom-Gegensinne der Wörter. Die entsprechenden lexikographischen Probleme sind schon bei den Grammatikern des Klassischen Arabischen ausführlich diskutiert worden (unter dem Stichwort des lexikalisch inkorporierten aḍād [der Antonymie], s. David Cohen, »Aād et ambiguité linguistique arabe« (1961), repr. in ds., »Études de linguistque sémitique et arabe«, Den Haag: Mouton 1970: 79-100.

[11] So z.B. durchgehend in dem oben schon angeführten „Der Mann Moses“ (1937-1939), vgl. z.B. „daß die psychischen Niederschläge jener Urzeiten Erbgut geworden waren, in jeder neuen Generation nur der Erweckung, nicht der Erwerbung bedürftig“ (WW 16: 241).

[12] Für einige Hinweise zur neueren sprachwissenschaftlichen (aber auch literaturwissenschaftlich orientierten) Diskussion zu F.s Werk, s. H.Kämper, S.F.s Sprachdenken, in: D. Cherubim u.a. (Hgg.), Neue deutsche Sprachgeschichte. Berlin: de Gruyter 2002: 239-251.